Lebenswert – ein Magazin über Menschen mit Behinderung


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Ganz Deutschland redet über Inklusion, Teilhabe und Gleichstellungen. Bei kaum einem anderen Thema herrscht eine so große emotionale Lethargie wie im Umgang mit Behinderten. Was dürfen wir sagen, wohin dürfen wir schauen, wann dürfen wir lachen? Immer neue Regeln erschöpfen einen eigentlich spannenden Diskurs.

Menschen mit Behinderungen begegnen uns in den Medien allenfalls als »Helden«, die trotz ihrer Behinderung aufregende Sachen schaffen, trotz Rollstuhl in die Berge fahren, ein ganz »normales« Leben führen. Behinderte begegnen uns ebenso häufig als »Opfer«, sind »an den Rollstuhl gefesselt«, vom Schicksal gebeutelt, deformiert, ausgegrenzt, verlassen und machtlos. Sie haben keinen Sex und nehmen keine Drogen, sind platonische Gutmenschen gegen den Rest der Welt. Und was soll man schon über Behinderte schreiben, wenn man nicht über ihre Behinderung schreibt?

Das Magazin »Lebenswert« berichtet über Menschen mit Behinderungen, stellt die Behinderung jedoch nicht zwingend in den Vordergrund. Es geht um Geschichten, um Menschen und Erfahrungen. Das Magazin besticht durch ein qualitativ hohes Bild- und Textkonzept, alle Inhalte wurden sowohl kommunikativ als auch gestalterisch für Menschen mit körperlichen Behinderungen barrierefrei aufbereitet. Ernsthafte, informative und humorvolle Artikel und Bilderstrecken zeigen im gesamten Kontext eine neue Herangehensweise an das Thema Inklusion und Behinderungen.

Hintergrund: Inklusion meint nicht nur die Teilnahme einer Randgruppe innerhalb der Gesellschaft, sondern auch die Teilhabe, also das Einbringen eigener Ideen und Fertigkeiten. Das Magazin ist in zwei Kapitel gegliedert, den Einsichten und den Aussichten. Im ersten Kapitel geht es um die Teilnahme, also das private und soziale Umfeld der Menschen, das was sie direkt umgibt. Das zweite Kapitel bietet Aussichten in die Gesellschaft, hier geht es um die Teilhabe an der Gesellschaft. Rubriken wie Projekte, freie Zeit und ein Brief nach draußen geben uns Eindrücke über das, was draußen passiert.

Digitale Inhalte können doch viel besser barrierefrei gestaltet werden, sind handlich und immer verfügbar? Ich habe mich aus mehreren guten Gründen für ein Printmagazin entschieden. Sitzt man im Rollstuhl oder im Bett, können digitale Endgeräte schneller auf den Boden fallen. Ein Printmagazin ist robust. Touchscreens reagieren nur auf Fingerdruck. Was ist, wenn man seine Finger aber nicht benutzen kann, sondern eine Prothese hat? Digitale Endgeräte sind inhomogen, es müssten sehr viele unterschiedliche barrierefreie Anwendungen konzipiert werden, um permantentes Scrollen und Zoomen zu vermeiden. Mit Bezug auf die barrierefreie Gestaltung wurde im Layout sehr reduziert, mit größerer Punktzahl in den Schriften, hohen Farbkontrasten und viel Weißraum gearbeitet. Die Navigation innerhalb des Heftes ist stringent und findet sich immer an gleicher Stelle wieder.

Das Magazin legt einen hohen Fokus auf den Menschen. Es gibt weder Testberichte für neue Rollstühle oder sich klärende Rechtsfragen rund um Hilfsmittel. Es geht um Geschichten aus der Welt, die uns direkt umgibt. Eine hohe Qualität in Bild und Text ist Teil des Konzeptes. Alle Inhalte in dieser ersten Ausgabe wurden persönlich autorisiert. Dafür danke ich an dieser Stelle noch einmal allen Mitwirkenden.

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